Anna Huberta Roggendorf, geboren am 31.Juli 1909, gestorben am 4.Juli 1973

Sie war 18 Jahre alt, als sie das Elternhaus verließ, um dem Orden der "Töchter vom Heiligen Geist" beizutreten. Fünf Jahre später war sie auf dem Weg nach Indien. Sie schämte sich ihrer Tränen nicht, als Europa am Horizont verschwand und sie einem unbekannten Land entgegenfuhr. Für sie war dies ein Abschied für immer. Anna Huberta RoggendorfWehmütig dachte sie an die letzten Worte ihrer Mutter: "Kind," so hatte sie gesagt, "schone Dich nicht!" - Nein, sie wollte sich nicht schonen, sie war voller Ideale, voller Tatendrang und großem Gottvertrauen. Als sie das Schiff verließ und zum ersten Mal indischen Boden betrat, kniete sie nieder, küsste die Erde und gelobte niemals etwas Negatives über dieses Land und seine Menschen zu sagen. Sie war gekommen, um den Armen zu dienen. Sie wollte ihnen Schwester sein in all ihrer Not und Bedrängnis.

Im Kinderdorf St.Catherine's Home, damals noch in Kandivili gelegen, etwa 20 km von Bombay entfernt, fand sie ein weites Betätigungsfeld. Zum ersten Mal wurde sie mit dem Leid junger Mütter konfrontiert, die nicht verheiratet waren, was dem Stand eines Aussätzigen gleichkam. Sie wehrte sich dagegen, dass man die Mütter gleich nach der Geburt von ihren Kindern trennte. Sie fühlte, dass man ihnen Zeit lassen musste ihr Kind lieben zu lernen, um sich erst dann frei entscheiden zu können bei ihrem Kind zu bleiben oder das Heim ohne Kind zu verlassen. Als man wenig später nach Irla umzog und Schwester Anna Huberta, als jüngste Oberin der Kongregation, die Leitung des St.Catherine's Home übernahm, war dies eine der ersten Veränderungen. Neun Monate blieben die Mütter mit ihren Kindern zusammen, dann erst fiel die Entscheidung. Viele Mädchen blieben und wurden so vor weiterem Missbrauch bewahrt.

Die Familie in Irla, die anfangs nur aus Babys, deren Müttern und gefährdeten Mädchen bestand, wuchs von Tag zu Tag. Immer mehr Kinder, die in Notsituationen waren, fanden im St.Catherine's Home ein Zuhause. Aus den 100 Kindern und jungen Frauen der Anfangsjahre wurden schnell einige hundert. Bald reichte der Platz nicht mehr aus. Ein Hindu schenkte Schwester Anna Huberta ein Stück Land in Andheri/Bombay, und sie zog um mit ihrer großen Familie und einigen ihr treu ergebenen Schwestern. Es war eine harte Zeit, in der die Schwestern nicht selten den Lebensunterhalt für die Kinder erbetteln mussten.

Mutter Anna Huberta Roggendorf

Und doch wurde St.Catherine's Home zu einem Symbol christlicher Nächstenliebe und in die Zukunft gerichteten Missionsarbeit. Hier wurde nicht mehr ohne Vorbehalt getauft. Kinder aller Religionen, Kasten und Rassen erlebten jedoch eine christliche Gemeinschaft, die in ihrer Armut, ihrer gegenseitigen Liebe und ihrem Frohsinn beispielhaft war.

Auf diesem Fundament gründete Schwester Anna Huberta, von vielen beargwöhnt, oft missverstanden, ja abgelehnt, am 27. März 1942 zusammen mit 9 jungen Mädchen, die selbst im St.Catherine's Home aufgewachsen waren und den Wunsch geäußert hatten sich ganz dem Gott der Liebe zu weihen, die Gemeinschaft der Helpers of Mary. Es folgten Jahre schwerer Arbeit und bitterer Enttäuschungen. Doch die Saat ging auf. Immer mehr Mädchen traten in die Gemeinschaft ein.


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